Der Verhandlungstag war überschattet vom Urteil gegen Maja und (in Abwesenheit) gegen Anna und Gabriele in Budapest. Außerdem wurden zwei Zeugen vernommen, die Angaben zur Attacke auf die beiden Nazis am 12. Januar 2023 in der Erfurter Pestalozzistraße machten. Der Prozesstag endete im Tumult. Zahlreiche Menschen im Saal waren nach Bekanntwerden des Urteils in Budapest aufgestanden, hatten „Free Maja, Free all Antifas!“ skandiert, einige trugen T-Shirts mit „Free Maja“ . Der Vorsitzende Richter ließ den Sitzungssaal räumen.
Zu Beginn der Verhandlung hatte der Vorsitzende Richter (VR) ein sogenanntes Selbstleseverfahren angeordnet, mit dem Dokumente in die Hauptverhandlung eingeführt werden, weil der erste Zeuge auf sich warten ließ. Zunächst flimmerten im Sekundentakt Video-Stills vom Überfall auf den Thor-Steinar-Laden in Erfurt über die beiden Leinwände im Gerichtssaal, dann wurde ein Gutachten von dem Zeugen Labudde (siehe Tage 4 und 5 ) durchgescrollt. Die Verteidigung von Emmi widersprach der Verwendung dieses Gutachtens und verwies auf die bereits gestellten Anträge der Verteidigung in der Sache. Es folgen Videos von zwei Überwachungskameras im Eingangsbereich einer REWE-Filiale in der Nähe der Pestalozzistraße in Erfurt, wo am Morgen des 12. Januar 2023 die beiden Nazis überfallen worden waren. Auf den Videos waren zahlreiche Kund:innen zu sehen, die in den Laden gingen oder wieder herauskamen. Emmis Verteidigung kündigte dazu eine Erklärung am nächsten Prozesstermin an.
Nach der Mittagspause wurden die beiden Zeug:innen vernommen, zunächst Robert S., Einzelhandelskaufmann, wohnhaft in der Pestalozzistr. 13 in Erfurt. Er sei beim Blick aus dem Fenster auf drei Jugendliche an den Müllcontainern auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufmerksam geworden, die sich Sturmhauben übergezogen hätten. Eine Person habe sich eine Kamera auf den Kopf gesetzt. Dann sei die Gruppe plötzlich auf eine Person zu gerannt und habe sie zu Boden gebracht, dann sei eine andere Gruppe auf die zweite Person zu gerannt. Das sei keine „Clubschlägerei“, sondern heftiger gewesen. Er habe bei der ersten Vernehmung einen „Hammerartigen Gegenstand“ und einen Schlagstock wahrgenommen, mit denen geschlagen worden sei. Zum Schluss habe eine Person Pfefferspray auf den am Boden liegenden gesprüht. „Auf den Kopf“ habe jemand gerufen. An das meiste konnte er sich bei der heutigen Vernehmung nicht erinnern, auch nicht an die Aussage, dass jemand einen Hammer aus einem schwarzen Folienbeutel herausgeholt hat oder an Tritte, lediglich eine große Flasche Pfefferspray war ihm heute erinnerlich. Er hatte vor der Aussage bei der Polizei damals wohl ein Video des Vorfalls gesehen. Dann seien die Täter geflohen und andere Leute dazugekommen, die sich um die beiden gekümmert hätten, bis der Krankenwagen eintraf, berichtet er. An seine damaligen möglichen Zuweisungen von Personen anhand von Lichtbildern konnte er sich auch nicht mehr erinnern.
Die zweite Zeugin, Sophie H., eine junge Verkäuferin aus Erfurt, schilderte, dass sie sich auf dem Rückweg zur Schule befunden hätten, als plötzlich zwei Männer, die in einiger Entfernung vor ihnen liefen, von mehreren Vermummten angegriffen wurden. Auf einmal hätte der Kräftigere auf der Straße gelegen und der Dünnere sei auf dem Bürgersteig verprügelt worden. Auf Nachfragen des Vorsitzenden und des Berichterstatters sagte sie, sie könne sich nur daran erinnern, wie die Gruppe auf die Leute eingeschlagen habe, an Tritte, von denen sie gegenüber der Polizei berichtet hat, konnte sie sich heute nicht mehr erinnern, auch die Aussage über Tritte gegen den Kopf „als würde man einen Fußball treten“ konnte sie nicht bestätigen. Nun verlor der Vorsitzende Richter die Geduld und fragte die Zeugin, ob sie Angst habe „hier auszusagen, wie sie es gegenüber den Justizbeamten im Gericht geäußert hat.“ Sie sei nervös, weil man sich beobachtet fühle, antwortet sie. Nach dem Überfall seien sie zu den Lehrern gegangen. Sie hätten nach Hause gewollt, weil es ihnen nicht gut gegangen sei. Dann kam es zu einem längeren Disput zwischen der Verteidigung und dem Vorsitzenden Richter. Die Verteidigung bemängelte, dass sie nicht in Kenntnis gesetzt worden seien, dass und worüber sich die Zeugin beim Justizpersonal beklagt hätte. Der Richter nutzte die Einberufung der Pause, um die Auseinandersetzung zu beenden.
Der Prozesstag endete nach der Pause im Tumult, da zahlreiche Menschen im Saal nach Bekanntwerden des Urteils in Budapest aufgestanden waren und einige zudem T-Shirts mit „Free Maja“ trugen und skandierten „Free Maja, Free all Antifas!“. Der Vorsitzende Richter ließ daraufhin den Sitzungssaal räumen.